Hertz-Schrittmacher für´s Stromnetz

Veröffentlicht am 18. Januar 2016 von wwa

Wirtschaft Einbau rONT (18)KOBLENZ/OBERMÖRSBACH. Hertz-Schrittmacher für´s Stromnetz – evm-Gruppe und Siemens AG starten Pilotanlage zur Netzstabilität im Westerwald – Intelligenter Ortsnetztrafo macht Stromnetz fit für die Energiewende –Ein rotes Lichtzeichen auf der sechs Meter langen Rückprojektionswand, gepaart mit einem schrägen akustischen Signal des Telefons auf dem Schreibtisch. Beides signalisiert Thomas Dötsch, dass das Stromnetz aus dem Gleichgewicht gerät. 7.000 Kilometer Stromleitung verantwortet er gemeinsam mit seinen Kollegen in der Netzleitstelle der Energienetze Mittelrhein GmbH & Co. KG (enm). Ein „Hertzstillstand“ im Netz wäre auch für den routinierten Netzexperten eine Herausforderung. Seit dem Zeitalter der Energiewende hört Thomas Dötsch das Signal schon häufiger. „Nie wirklich bedrohlich für die Versorgungssicherheit“, wie er sagt. Aber seitdem Photovoltaikanlagen auf Privatdächern und Blockheizkraftwerke in Industriebetrieben fester Bestandteil der deutschen Energieversorgung sind, gibt es für ihn und seine Kollegen deutlich mehr zu tun. Nun erhalten sie Unterstützung: einen „Hertz-Schrittmacher“, damit das Stromnetz leichter im Takt bleibt.

rONT als Hertz-Schrittmacher für ein sicheres Stromnetz – Als ausgleichendes Instrument integrierte die enm am Donnerstag (14. Januar) einen regelbaren Ortsnetztransformator in ihrem Stromnetz, kurz rONT. Gemeinsam mit der Siemens AG geht die enm damit einen wichtigen Schritt für eine zukunftsfähige Energieversorgung in der Region. Ein rONT funktioniert im Grunde wie jeder einfache Transformator, ist dabei aber intelligent. Er kann selbstständig ausgleichende Maßnahmen zur Netzstabilität ergreifen. Denn mit der Energiewende steigen diesbezüglich auch die Anforderungen an den Netzbetreiber, wie Dr. Andreas Hoffknecht, Geschäftsführer der enm, erklärt: „Inzwischen speisen immer mehr kleine Anlagen dezentral und im gesamten Stromnetz verteilt vor Ort gewonnene Energie ein. Wenn beispielsweise der Nachbar mit seiner Photovoltaikanlage auf dem Dach einspeist, dann steigt die Spannung im Ortsnetz an. Abhängig von der Stärke und Dauer der Sonneneinstrahlung können so schnell Spannungsschwankungen innerhalb kurzer Zeit auftreten.“ Genau diese müssen Netzbetreiber verhindern und bauen daher vor der Inbetriebnahme der Erzeugungsanlagen die Infrastruktur immer bedarfsgerecht aus, damit die sichere Stromversorgung zu jeder Zeit gegeben ist. „Das Stromnetz kann man sich dabei vereinfacht wie eine Balkenwaage vorstellen, bei der Erzeugung und Verbrauch immer austariert werden müssen, um keine Spannungsschwankungen oder gar Ausfälle zu verursachen“, fügt der Geschäftsführer an. Mit dem Einsatz eines rONT erweitert man die technischen Möglichkeiten zur Gestaltung der Energiewende in der Region.

Das Netz von morgen schon heute – Zu Zeiten von großen Kraftwerken ist die Energieversorgung nach einem vereinfachten Schema abgelaufen, das heute neu organisiert werden muss: Ein Kraftwerk hat Strom erzeugt und in das Netz eingespeist. Diese Energie wurde dann in einer Richtung über mehrere Stationen verteilt, bis zu den privaten Haushalten, wobei die Spannung konstant abgenommen hat. Heute erzeugen dank der Erfolge der Energiewende zusätzlich viele kleine Kraftwerke, wie Solaranlagen oder Windenergieanlagen, dezentral Energie und speisen diese in das vorhandene Stromnetz ein. „Zusammen mit den Menschen vor Ort setzen wir als regionale Unternehmensgruppe die Energiewende in der Region um. Der Ausbau regenerativer Energien gehört für uns ebenso dazu, wie intelligente Techniken, die für mehr Energieeffizienz sorgen“, berichtet der Geschäftsführer. „Und auf die Herausforderung, dass Wind und Sonne nicht immer in konstanter Form zur Verfügung stehen, stellen wir uns ein.“ Dazu testet man verschiedene Möglichkeiten, die das Netz und die Mitarbeiter in der Netzleitstelle technisch unterstützen. So auch jetzt mit dem Einbau des rONT in Obermörsbach, als erste Anlage dieser Art für den Westerwald. Foto: evm/Ketz