„Bis 2020 keine lauten Züge mehr“

Veröffentlicht am 29. Januar 2016 von wwa

Politik - CDU Erwin Rüddel MdB - Veranstaltung mit DB und VPIBERLIN – „Bis 2020 keine lauten Züge mehr“ – Treffen der „Parlamentsgruppe Bahnlärm“ mit Vertretern der DB AG und der privaten Waggonhalter – Gemeinsame Presseerklärung der Initiatoren der „Parlamentsgruppe Bahnlärm“, Erwin Rüddel, MdB (CDU/CSU), Tabea Rößner, MdB (Grüne) und Detlev Pilger, MdB (SPD), zum jüngsten Treffen der Parlamentsgruppe in Berlin mit der Lärmschutzbeauftragten der Deutschen Bahn AG Ines Jahnel, dem Geschäftsführer des Verbands der privaten Güterwagenhalter in Deutschland e.V. (VPI) Jürgen Tuscher und dem Sprecher der Initiativen-Gemeinschaft Bahnlärm Gerd Kirchhoff: „Wir sind zuversichtlich, dass wir unser wichtigstes Ziel, keine lauten Züge mehr bis 2020, fristgerecht erreichen werden.“ Die Deutsche Bahn AG und der Verband der privaten Güterwagenhalter in Deutschland e.V. (VPI) sind offenbar auf einem guten Weg. Das zeigten die aktuellen Daten zur Umrüstung auf leise Güterwaggons, die die Lärmschutzbeauftragte der Deutschen Bahn AG Ines Jahnel und der Geschäftsführer des Verbands der privaten Güterwagenhalter in Deutschland e.V. (VPI) Jürgen Tuscher den Mitgliedern der Parlamentsgruppe Bahnlärm vorstellten. Die DB AG und der VPI haben die Signale der Politik verstanden und setzen diese um. Sie stellten in Aussicht, dass die Umrüstung der ca. 120.000 Waggons Ende 2016 nahezu die 50 Prozent-Quote erreichen werde.

Parallel werde der passive Lärmschutz entlang der Bahnstrecken jährlich um 100 km erweitert. Auf diese Weise werde ein qualitativ besserer Lärmschutz erreicht, als noch 2014 zu erwarten war. Die Deutsche Bahn wird nach eigenen Angaben auch weiterhin neue Technologien zum passiven Lärmschutz an der Schiene (Lärmschutz an der Infrastruktur) entwickeln, testen und einsetzen. Wir begrüßen das; denn der Schienenverkehr benötigt dringend eine bessere Akzeptanz seitens der betroffenen Anwohner.

Von zentraler Bedeutung ist eine noch stärkere, lärmabhängige Spreizung der Trassenpreise. Diese soll vor allem auch die ausländischen Waggonbesitzer zur Umrüstung bewegen. Für erstrebenswert halten wir eine Spreizung in Höhe von rund 30 Prozent, was zu einer Kostensteigerung für laute Waggons um ca. 10 Prozent führen könnte. Wir werden in diesem Zusammenhang verstärkt politischen Gespräche mit der Bundesregierung führen und auch auf europäischer Ebene Druck machen. In der deutschen Politik scheint derzeit grundsätzlich die weitere Spreizung der Trassenpreise unstrittig. Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit der leisen Waggons zu verbessern.

Ein generelles Verbot lärmintensiver Güterwagen in Deutschland aufgrund der Freizügigkeit im europäischen Binnenmarkt erscheint schwierig. Daher müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass der Betrieb solcher Waggons in Deutschland wirtschaftlich unrentabel wird. Wir werden deshalb mit Nachdruck darauf hinwirken, dass es für in- wie für ausländische Waggonbesitzer wirtschaftlich unattraktiv wird, in Deutschland weiterhin laute Waggons zu betreiben.

Breiten Raum nahm in der Debatte auch das Thema ‚Monitoring‘ ein. Dabei geht es um die automatische Datenerhebung zur Beobachtung der Gleislage, zur radgenauen Lärmdetektion und zur zustandsorientierten Instandhaltung und vollautomatischen Überwachung und Kontrolle des Rad-Schiene-Kontaktes. Diese – bereits in der Praxis bewährte – Technik ist der Schlüssel zur wirksamen und dauerhaften Bekämpfung des Bahnlärms und nicht zuletzt auch für eine lärmabhängige Spreizung der Trassenpreise.

Wir setzen uns deshalb für den beschleunigten Ausbau dieser Zugmonitoring- und Lärm-Mess-Stationen zwecks exakter Überwachung, zielgenauer Preisgestaltung sowie vorausschauender Wartung und Instandhaltung lärmintensiver Güterwaggons ein.“

Zum Hintergrund: Deutsche Bahn AG  (DB Schenker Rail Deutschland): Bestand heute: ca. 75.000 Güterwagen. Insgesamt rüstet die DB AG 60.000 Waggons auf LL-Sohle um. Zwischen 2014 und Ende 2015 wurden bereits ca. 20.800 Waggons umgerüstet. 2016 kommen 9.000 Waggons dazu.
Neue Waggons erhalten schon seit Jahren die leise K-Sohle. Bestand heute: gut 8.000 mit K-Sohlen. Insgesamt wird die DB AG ca. 15.000 neue Waggons anschaffen. 2020: alle DB Schenker Rail Wagen werden leise sein; zu etwa 60.000 umgerüstete Bestandswagen und zu etwa 15.000 bei Neukauf mit leisen K-Sohlen ausgestattete Waggons.

Verband der privaten Güterwagenhalter in Deutschland e.V. (VPI): Bestand heute: ca. 60.000 Waggons. Umrüstung von ca. 30.600 Waggons auf LL-Sohle bis Ende 2016. Bis 2020: 100 Prozent umgerüstet; davon ca. 38.000 neue Waggons auf K-Sohle.
Ausländische Waggonbesitzer: Bestand heute: ca. 33.000 Güterwaggons ausländischer Waggonbesitzer im deutschen Schienennetz, die zur Umrüstung auf LL-Sohle angemeldet sind.
Nach heutigem Stand wird es 2020 n Besitzer in Deutschland geben, deren Betrieb in Deutschland durch die Politik unwirtschaftlich werden muss.
Ziel der „Parlamentsgruppe Bahnlärm“ ist es, ungeachtet der Freizügigkeit im europäischen Binnenmarkt durch geeignete Lärmschutzauflagen den Betrieb lauter Güterwagen in ausländischem Besitz bis spätestens 2020 wirtschaftlich unrentabel zu machen.

Foto: (v.l.): Gerd Kirchhoff, Sprecher BIN gegen Bahnlärm; Erwin Rüddel, MdB; Detlev Pilger MdB; Ines Jahnel, Lärmschutzbeauftragte der DB AG; Jürgen Tuscher, Geschäftsführer VPI; Tabea Rößner, MdB