„Holz hat immer recht“

Veröffentlicht am 5. März 2016 von wwa

Kunst Ausst. HAMM 012HAMM – Kunstausstellung mit sehr guter Musik und herausragender Laudatio – In einer außerordentlich gut besuchten Vernissage in Kulturhaus Hamm stellten zwei Schulmeister, Dietmar Schulmacher und Friedhelm Zöllner, die ihre Pensionszeit auch zur künstlerischen Arbeit nutzen, kolorierte Linoldrucke und Skulpturen aus Holz und Metall unter dem beziehungsreichen Titel SCHNEIDEN und SCHLAGEN vor.

Volker Niederhöfer begrüßte Landrat Lieber, die Landtagsabgeordneten Dr. Enders und Thorsten Wehner. Auch Jesica Weller, Bürgermeister Heijo Höfer und Bürgermeister Reiner Buttstedt waren untern Gästen, von denen einige den Weg auch von Mainz und Koblenz gefunden hatten. Die beiden Ausstellenden bieten gerne, nach Absprache, Führungen an. Dietmar Schumacher: dschumacher@t-online.de oder 02742 910350 Friedhelm Zöllner: frioedhelm.zioellner@freenet.de oder 02686 640.

Eva Zöllner, Akkordeonistin, die in Hamburg lebt, war in Hamm zu Gast und trug sehr gefühlvoll zwei Akkordeonstücke von Matthias Pintscher und Georgina Derbez vor.

Martin Autschbach, Schulreferent des Kirchenkreises Altenkirchen, hielt eine außerordentliche Laudatio, die viel Anerkennung fand und zu anregenden Gesprächen danach Anlass gab. Sie wurde getragen von langjähriger Erfahrung durch Zusammenarbeit mit den beiden Künstlern und von einer sehr beeindruckend intensiven Auseinandersetzung mit ihren Arbeiten. In sehr feinen, oft hintersinnigen Formulierungen spannte er den Bogen zwischen diesen beiden Persönlichkeiten, ihrer Arbeit und ihrer Kunst: „In Eurer Kunst ist dieser, gelegentlich ironisch-subkutane Widerstands- und Widerspruchsgeist greifbar“.

Kein Detail ist Autschbach entgangen: „Die kleinen Kirchen stehen auf vielen Bildern mitten im Dorf, sind mitten unter den Menschen. Gelegentlich steht eine kleine Kirche sogar frech im Weg und ist das einzige Hoffnungslicht zwischen düsteren Hochhausblöcken, die kraftstrotzend-arrogant von oben herab glotzen. Aber David trotzt dem Goliath. Diese Kirche bleibt widerständig und trotzig: Auch eine Utopie. Leider selten eine reale (Utopie).“

Autschbach befasste sich intensiv mit den vielen sehr aktuellen politischen Aussagen in den Linoldrucken von Schumacher und mit den recht kritischen klerikalen Inhalten: “Das Hoffnungskreuz steht als bunter Gesichterleib aufrecht mit offenen Armen vor uns. Es vibriert vor Lebendigkeit, ein Wimmelbild der Farben und Gesichter: Und doch lässt jedes Gesicht ein Schicksal ahnen, in jedem Antlitz spiegelt sich eine eigene Wahrnehmungswelt. Eine Skyline nimmt den Horizont, lastet auf dem Querbalken und dem Kopfstück des Kreuzes. Trotz allem ein Hoffnungsbild: Menschen in ihrer Vielfalt und Einzigartigkeit zugleich geben der Gesellschaft ein menschliches Gesicht. Sie sehen uns an, sind Kopf, Herz und Hand zugleich. Clownesk sind auch einige Stelen von Friedhelm, der Halbschrat (ein ganz schräger Vogel) ist zur schwebenden Stele geworden, weil ihm qua Ausgangsbohle zu einer ordentlichen Verwendung jede Gradlinigkeit fehlte.

Autschbach ist es gelungen, sich in den Schaffensprozess zu versetzen und die Ausdrucksversuche der Künstler treffend zu charakterisieren: „Wenn Friedhelm einen Baum, einen Stamm, einen Torso findet, mit dem er „in einen künstlerischen Diskurs treten möchte“, dann folgt er nicht seiner gestalterischen Idee allein, dann folgt er gewachsenen Nerven und Muskelsträngen, dann findet er Lebensadern, legt Vergangenes frei und stößt auf überraschend Neues. Es ist ein Nachsinnen, das den Holzskulpturen von Friedhelm innewohnt, und zu seiner bildhauerischen Gestaltung gehört eine gewisse Ehrfurcht vor gewachsenen Strukturen.

„Holz hat immer recht“ hat Friedhelms Opa einmal gesagt, deshalb muss mit der Maserung gearbeitet werden. Friedhelm bringt das auf den Punkt, indem er sich Folgendes fragt, bevor er ans Werk geht: „Was will das Holz, das ich an ihm fertigmache?“ Den verborgenen Sinn-Kern sorgsam freilegen, dieses Arbeitsziel bedeutet aber nicht, dass keine klaren Schnitte mit dem kurzen Schwert der Motorsäge gewagt werden, aber: Es ist grundsätzlich ein nachspürender Weg, den Friedhelm zur Skulptur geht. Eine lange Kerbung, eine Aushöhlung, das Anbeizen einer Fläche, die Positionierung auf Augenhöhe gibt vielen Stelen aller Schwere des Materials zum Trotz eine besondere Leichtigkeit. Manche Stelen haben etwas Fragiles, das geborgen und aufgerichtet wurde, das anhaltend in der Schwebe bleibt, wie ein gedankliches Ausrufezeichen, eine spontane Notation der Phantasie.“ Nach dem offiziellen Programm hatten die Besucher/innen die Gelegenheit zum Gedankenaustausch bei einer Brezel und einen Glas Sekt oder Saft. (fritz) Foto: Privat